Bösiger sorgt für lange Gesichter

Was für ein Saisonstart: Der 53-jährige Roggwiler Markus Bösiger sorgte beim Start zur Truckrace-Saison für lange Gesichter bei seinen Konkurrenten. Der Schweizer errang in Misano (It) – mit gebrochener Hand - einen Doppelsieg und setzte sich sogleich an die Spitzen des EM-Zwischenklassementes.

Markus Bösiger ist der verrückteste Motorsportler Europas. Wer davon noch nicht überzeugt war, erhielt über Pfingsten vom 53-jährigen Berner den Beweis dafür höchst persönlich vorgelegt. Bösiger fuhr beim Auftakt zur diesjährigen Truckrace-Saison der Gegnerschaft davon und errang im italienischen Misano vor über 30 000 Zuschauern für sein neues MKR-Renault-Team einen unerwarteten Doppelsieg. Dass der Langenthaler Unternehmer deutlich älter ist als seine Konkurrenten und trotzdem problemlos mithalten kann, hat man in der Szene mittlerweile (zähneknirschend) zur Kenntnis nehmen müssen. Dass Bösiger nun aber in Misano den Profi-Truckfahrern auch noch mit gebrochener Hand davon fuhr, dürfte für viele von ihnen nur noch schwer verständlich sein.

Vor knapp drei Wochen hat Markus Bösiger bei einem Schiebetor seine rechte Hand eingeklemmt und gebrochen. Die Hand musste operiert und mit einem Gips versehen werden. Dennoch sass der Schweizer beim ersten Rennen der Truckrace-Saison mit einer Spezialschiene an der Hand hinter dem Lenkrad des MKR-Renault, um für sein neues Team EM-Punkte zu sammeln. Und wie er das tat: Bereits im Training deutete er an, dass er trotz seines Handicaps ganz vorne mitfahren kann. Bösiger erkämpfte sich für das erste Rennen den zweiten Startplatz. Beim Rennen selbst gelang ihm ein Start nach Mass. Bereits in der zweiten Runde zog er am Deutschen Jochen Hahn (MAN) vorbei, der ihn in der Folge permanent attackierte. Doch der Roggwiler parierte alle Angriffe und errang einen unerwarteten Sieg. Wegen eines Crashs wurde das zweite Rennen am Samstag abgebrochen und nicht gewertet.

Bösiger spielt Erfahrung aus
Der Erfolg beim Auftaktrennen beflügelte Markus Bösiger. Am zweiten Renntag sicherte er sich im Zeittraining gleich die Pole-Position. Beim Start zum Rennen verlor er allerdings sogleich die Führung an den Tschechen David Vrsecky (Buggyra-Freightliner), der diese gegen alle Angriffe Bösigers verteidigte. Doch nach dem Zieleinlauf gab es für den Tschechen eine böse Überraschung: Wegen Overspeed erhielt er eine Zehn-Sekundenstrafe und fiel auf den vierten Platz zurück. Das bedeutete den zweiten Sieg für Bösiger im zweiten Rennen.

Weil beim abschliessenden Rennen die Erstplatzierten in umgekehrter Reihenfolge an den Start gehen, musste Bösiger das vierte Rennen aus der achten Position in Angriff nehmen. Angesichts seiner lädierten Hand und weil es im zweiten Tagesrennen jeweils nur die halbe Punktzahl zu gewinnen gibt, mied der Oberaargauer jegliches Risiko und gab sich mit dem siebten Schlussrang zufrieden. Dennoch führt der Schweizer die EM-Gesamtwertung mit 44 Punkten an, vor dem Deutschen Hahn (38) und dem Spanier Antonio Albacete (30).

„Damit hat sicher niemand gerechnet, vor allem nicht in unserem Team“, zeigte sich auch Markus Bösiger überrascht vom sensationellen Saisonauftakt. Die beiden Siege seien eine kleine Sensation, meinte er weiter, „weil hier ein Team ohne Rennerfahrung am Werk und der Wagen noch nicht perfekt abgestimmt ist.“ Der einzige im Renault-Team, der über genügend Erfahrung verfügt ist Bösiger und diese hat sich in Misano voll ausbezahlt. „Das trifft exakt zu, denn die beiden Siege habe ich wohl errungen, weil ich in den beiden Zeittrainings meine ganze Erfahrung ausspielen und dadurch einen guten Startplatz erkämpfen konnte, was bei den Truckrennen von immenser Bedeutung ist.“



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